Film, Lesung und VortragSusanne Siegert: Gedenken neu denken

Erinnerungskultur auf TikTok und Instagram? Was für viele zunächst ungewöhnlich klingt, ist für Susanne Siegert längst gelebte Praxis: Mit ihren Kanälen erreicht die Journalistin und Content-Creatorin rund 200.000 Menschen – vor allem junge Nutzer – und vermittelt Wissen über den Holocaust und NS-Verbrechen auf zeitgemäße, zugängliche Weise. Für ihre Arbeit wurde sie unter anderem mit dem Grimme Online Award und dem ELNET Preis ausgezeichnet. Am 3. Mai 2026 um 17 Uhr ist Siegert mit ihrem Vortrag und ihrer Lesung „Gedenken neu denken“ im KuB Bad Oldesloe zu Gast.

Siegert zählt zu den wichtigsten Stimmen einer neuen, digitalen Erinnerungskultur in Deutschland. Wie kann eine Erinnerungskultur aussehen, die auch kommende Generationen erreicht – in einer Zeit, in der es immer weniger Zeitzeugen gibt und gleichzeitig rechtsextreme Tendenzen wieder zunehmen? In ihrem Buch „Gedenken neu denken. Wie sich unser Erinnern an den Holocaust verändern muss“, das es bis auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft hat, plädiert sie für eine grundlegende Neuausrichtung der Gedenkarbeit.

Im Zentrum ihres Ansatzes steht die Frage nach der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration. Siegert fordert dazu auf, tradierte Formen des Gedenkens zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen: weg von ritualisierten Bekundungen und hin zu einer aktiven, pluralistischen Erinnerungskultur. Dabei rückt sie bewusst weniger bekannte Orte nationalsozialistischer Verbrechen sowie bislang marginalisierte Opfergruppen in den Fokus.

Ausgehend von ihrer eigenen Biografie – als Nachfahrin von Wehrmachtssoldaten und aufgewachsen in der Nähe eines ehemaligen KZ-Außenlagers, dessen Geschichte ihr lange unbekannt blieb – setzt sich Siegert intensiv mit der Rolle der sogenannten „Nazi-Nachfahren“ auseinander. Ihr Anliegen ist es, unbequeme Fragen zuzulassen und Gedenkarbeit als fortwährende gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.

„Unsere Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen wird sich verändern, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Umso wichtiger ist es, neue Formen des Erinnerns zu entwickeln“, so Siegert. Sie versteht ihre Arbeit auch als Appell, sich aktiv mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.

Die Veranstaltung im KuB bietet neben der Lesung auch Raum für Austausch und Diskussion.

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