Im Zentrum ihres Ansatzes steht die Frage nach der Verantwortung der Nachfahren der Tätergeneration. Siegert fordert dazu auf, tradierte Formen des Gedenkens zu hinterfragen und neue Perspektiven einzunehmen: weg von ritualisierten Bekundungen und hin zu einer aktiven, pluralistischen Erinnerungskultur. Dabei rückt sie bewusst weniger bekannte Orte nationalsozialistischer Verbrechen sowie bislang marginalisierte Opfergruppen in den Fokus.
Ausgehend von ihrer eigenen Biografie – als Nachfahrin von Wehrmachtssoldaten und aufgewachsen in der Nähe eines ehemaligen KZ-Außenlagers, dessen Geschichte ihr lange unbekannt blieb – setzt sich Siegert intensiv mit der Rolle der sogenannten „Nazi-Nachfahren“ auseinander. Ihr Anliegen ist es, unbequeme Fragen zuzulassen und Gedenkarbeit als fortwährende gesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.
„Unsere Auseinandersetzung mit den NS-Verbrechen wird sich verändern, wenn es keine Zeitzeugen mehr gibt. Umso wichtiger ist es, neue Formen des Erinnerns zu entwickeln“, so Siegert. Sie versteht ihre Arbeit auch als Appell, sich aktiv mit der Geschichte vor Ort auseinanderzusetzen und Verantwortung für die Gegenwart zu übernehmen.
Die Veranstaltung im KuB bietet neben der Lesung auch Raum für Austausch und Diskussion.